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Als aus „Tyskebryggen“ wieder Bryggen wurde

Jander Soares ·

Eine im Mai 1945 beschlossene Namensänderung erzählt davon, wie eine Stadt mit ihrer Erinnerung umgeht.

Jahrzehntelang hieß das historische Hafenviertel offiziell Tyskebryggen, also „Deutscher Kai“. Der Name erinnerte an die lange Anwesenheit deutscher Kaufleute im hansischen Handel. Nach der deutschen Besetzung Norwegens im Zweiten Weltkrieg hatten diese Worte jedoch eine zusätzliche Bedeutung bekommen.

Bei der ersten Stadtratssitzung nach dem Krieg am 25. Mai 1945 schlug der Bürgermeister vor, „Tyske“ aus dem Namen zu streichen. Der Vorschlag, das Viertel schlicht Bryggen zu nennen, wurde einstimmig angenommen. Das Sitzungsprotokoll ist im Stadtarchiv erhalten.

Der neue Name löschte weder die jahrhundertelange Handelsgeschichte noch die Narben des Krieges aus. Er zeigte aber, dass selbst ein Schild eine Entscheidung darüber sein kann, was in der Gegenwart betont werden soll. Wer Bryggen heute fotografiert, ahnt vielleicht nicht, dass auch der Name dieses Ortes eine politische Veränderung durchlaufen hat.

Quellen

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